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TicToc-Abnehm-Trend Ozempic

Wirkung über Darm-Mikrobiom?!

Der Wirkstoff Semaglutid scheint einen Teil der antidiabetischen Wirkung über die Darmflora zu vermitteln. Erfahren Sie mehr zu den Hintergründen – und was chronische Sinusitiden mit dem Mikrobiom zu tun haben.

gestörte Darmflora

Dysbiose – Ein Ungleichgewicht der Darmflora

Eine Dysbiose wird mittlerweile mit zahlreichen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Sie reichen von Reizdarmsyndrom und entzündlichen Erkrankungen bis hin zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, neurologischen Erkrankungen (Depression, Parkinson, Autismus) oder Allergien und Asthma. Kurzkettige Fettsäuren spielen dabei eine wesentliche Rolle, indem sie beispielsweise die Darm-Hirn-Achse oder das darmassoziierte Immunsystem modulieren. Sie dienen als Signalmoleküle der Darm-Hirn-Achse. Damit diese in ausreichender Menge gebildet werden können, ist neben einer hohen Diversität auch die Zufuhr von Ballaststoffen sowie die Besiedelung mit Bifidobakterien sowie Butyrat-bildenden Stämmen wie Faecalibacterium prausnitzii unentbehrlich. F. prausnitzii gilt zugleich als entscheidender Keim für die Bewertung der Darmflora-Gesundheit. Bei gesunden Erwachsenen gehört es mit 5 bis 10 % zu den am häufigsten vorkommenden Arten in der Darmflora.

Doch nicht nur bei Diabetikern und Adipösen kann eine verminderte Anzahl beobachtet werden. Michalik et al ( PubMed: Alteration of indicator gut microbiota in patients with chronic sinusitis ) veröffentlichte jüngst seine Ergebnisse, dass auch bei Patienten mit chronischen Sinusitiden eine reduzierte Anzahl an Bifidobakterium spp sowie F. prausnitzii vorliegt. Bei einem Großteil von ihnen waren neben einer Verminderung der Bifidobakterien auch Akkermansia muciniphila signifikant reduziert.  Diese sind an der Ernährung und Regeneration der intestinalen Epithelzellen und dem Mucus beteiligt und verfügen über antiinflammatorische Eigenschaften.

Die Forschungsergebnisse untermauern die Hypothese, dass eine gestörte Mikroflora der Nebenhöhlen mit einer intestinalen Dysbiose zusammenhängen könnte. Die Therapie einer chronischen Sinusitis gestaltet sich mitunter trotz prolongierter antibiotischer Therapie schwierig. Betroffene könnten möglicherweise von der Zufuhr von prä- und probiotischer Therapie zur Unterstützung der intestinalen Mikrobioms sowie zur Unterstützung der mucosalen Immunität profitieren. Insbesondere nichtpathogene Darmbakterien wie Enterococcus spp scheinen Plasmazellen zu stimulieren und so die Bildung sekretorischer IgA an allen Schleimhäuten zu induzieren. Sie verhindern die Anheftung pathogener Bakterien und Viren.

Das intestinale Vorkommen von Faecalibacterium prausnitzii scheint sich auch bei Diabetes als vorteilhaft zu erweisen. Eine Studie (PubMed: Faecalibacterium prausnitzii phylotypes in type two diabetic, obese, and lean control subjects) fand heraus, dass F. prausnitzii bei Diabetikern und übergewichtigen Menschen im Vergleich zu schlanken Kontrollpersonen signifikant vermindert war. Die Mechanismen der Darmflora in der Behandlung von Typ2-Diabetes sind noch nicht vollständig geklärt. Moderate Butyrat-Level können durch epigenetische Effekte eine Insulinresistenz verhindern, die durch eine fettreiche Ernährung ausgelöst wird. Ebenso erhöhen sie die mitochondriale Betaoxidation und verbessern so die Glucosesensitivität und beeinflussen Adipositas. Diskutiert werden weitere Effekte auf die Insulinsensitivität über Beeinflussung der Gallensäureproduktion beziehungsweise der Endotoxin-Entzündung.

Interessanterweise fand nun ein Team rund um Liang (PubMed: GLP-1 receptor agonists modulate blood glucose levels in T2DM by affecting Faecalibacterium prausnitzii abundance in the intestine) heraus, dass eine Beeinflussung der F. prausnitzii-Besiedelung tatsächlich einer der Pfade sein könnte, die hinter der Wirkung sogenannter Glucagon-like-Peptide-Rezeptor-Agonisten steckt.  Semaglutid (Ozempic) ist der wohl bekannteste Vertreter der GLP-Agonisten und hat neben weiteren Wirkstoffen einen festen Stellenwert in der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2. Schon eine Woche nach Anwendung von einem Glucagon-like-Peptide-Agonisten stieg der Anteil von F. prausnitzii signifikant an und korrelierte negativ mit der Nüchternglucose.

GLP-Rezeptor-Agonisten wirken sich positiv auf das Sättigungsgefühl auf und unterstützt zudem eine Gewichtsabnahme. Semaglutid ist nicht zuletzt durch einen Tic-Toc-Trend als „Abnehm-Spritze“ in aller Munde und führte durch Off-Label-Use zu anhaltenden Lieferengpässen. Die Nachfrage stieg derart an, dass das BfArM (BfArM: Fälschung des Arzneimittels Ozempic®) aktuell sogar vor Fälschungen des Arzneimittels Ozempic© warnen musste.

Bei einer chronischen Rhinosinusitis schwellen die Schleimhäute der Nasen- und Nebenhöhlen an, die Zilienfunktion wird beeinträchtigt. Die Nasennebenhöhlen bieten durch ihre Bedingungen (Temperatur, Feuchtigkeit, geschützter Hohlraum) einen idealen mikrobiellen Lebensraum sowohl für nützliche als auch pathogene Keime. Schlüsselelemente des Schleimhaut-Immunsystems sind B- und T-Lymphozyten, natürliche Killerzellen und Makrophagen. In den sogenannten Peyer-Plaques (= Teil des Darm-assoziierten lymphoiden Gewebes, GALT) erfolgt die immunologische Schulung der Lymphozyten. Die Immunzellen werden durch Zytokine im Kontakt mit der physiologischen Mikrobiota aktiviert und es bilden sich schließlich Plasmazellen. Sie verteilen sich im ganzen Körper und produzieren sIgA. Es bleibt spannend, welche weiteren Einsatzgebiete von Prä- und Probiotika die aktuelle Forschung herausfinden wird.

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