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Vitamin D und Immunsystem

Was wissenschaftlich gesichert ist.

Warum Vitamin D mehr als ein „Sonnenvitamin“ ist, welche Rolle Magnesium spielt und was die Forschung zur Prävention von Atemwegsinfektionen zeigt.

Sonnenkraft, die dein Körper täglich braucht

Vitamin D und Immunsystem

Zwischen biologischer Bedeutung, Prävention und bedarfsgerechter Versorgung

Wenn die Tage kürzer werden und die Sonne seltener scheint, rückt Vitamin D wieder verstärkt in den Fokus. Kaum ein anderer Mikronährstoff wird so eng mit dem Immunsystem, der kalten Jahreszeit und der Prävention von Infekten in Verbindung gebracht. Doch was kann Vitamin D tatsächlich leisten? Kann eine Supplementierung Erkältungen vorbeugen? Welche Bedeutung hat der Vitamin-D-Status und warum sollte bei der Versorgung auch Magnesium berücksichtigt werden?

Mehr als ein klassisches Vitamin

Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein. Während die meisten Vitamine überwiegend über die Nahrung aufgenommen werden müssen, kann der menschliche Körper Vitamin D mithilfe von UVB-Strahlung in der Haut selbst bilden.
Das in der Haut gebildete oder über die Nahrung aufgenommene Vitamin D ist allerdings noch nicht vollständig biologisch aktiv. Es wird zunächst in der Leber zu 25-Hydroxyvitamin D, kurz 25(OH)D, umgewandelt. Diese Speicher- und Transportform wird üblicherweise zur Beurteilung des Vitamin-D-Status im Blut bestimmt. In einem weiteren Schritt entsteht vor allem in den Nieren, teilweise aber auch in anderen Geweben, die aktive Form 1,25-Dihydroxyvitamin D, auch Calcitriol genannt.
Calcitriol bindet an den Vitamin-D-Rezeptor und kann darüber die Aktivität zahlreicher Gene beeinflussen. Vitamin-D-Rezeptoren finden sich nicht nur in Knochen, Darm und Muskulatur, sondern auch auf verschiedenen Zellen des Immunsystems. Dazu gehören unter anderem Monozyten, Makrophagen sowie T- und B-Lymphozyten.
Diese biologischen Zusammenhänge zeigen, dass Vitamin D in unterschiedliche Regulationsprozesse des Immunsystems eingebunden ist. Sie beweisen jedoch für sich genommen noch nicht, dass eine zusätzliche Einnahme von Vitamin D Infektionen verhindert oder behandelt.

Vitamin D als Teil eines komplexen Immunsystems

Das  Immunsystem arbeitet nicht nach dem einfachen Prinzip „mehr Aktivität ist besser“. Es muss Krankheitserreger erkennen und angemessen auf sie reagieren, gleichzeitig aber überschießende oder fehlgeleitete Reaktionen begrenzen. Für diese fein abgestimmten Prozesse benötigt der Körper Energie und eine ausreichende Versorgung mit verschiedenen Nährstoffen.

Vitamin D ist sowohl mit der angeborenen als auch mit der erworbenen Immunantwort verbunden. Zur angeborenen Immunabwehr gehören unter anderem Haut, Schleimhäute und spezialisierte Immunzellen, die potenziell schädliche Strukturen erkennen. Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass Vitamin D die Bildung bestimmter antimikrobieller Peptide wie Cathelicidin und Defensine beeinflussen kann. Diese körpereigenen Substanzen sind Bestandteil der frühen Immunantwort.

Auch auf die erworbene Immunantwort, zu der T- und B-Lymphozyten gehören, kann Vitamin D regulatorisch einwirken. Diese Erkenntnisse stammen insbesondere aus zellbiologischen und mechanistischen Untersuchungen. Für die Kommunikation gegenüber Verbraucherinnen und Verbrauchern bleibt jedoch die zugelassene gesundheitsbezogene Aussage maßgeblich:

Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.*

Dieser Health Claim beschreibt die wissenschaftlich anerkannte physiologische Funktion des Vitamins. Er bedeutet nicht, dass Vitamin D Erkältungen, Grippe oder andere Infektionen verhindert, behandelt oder deren Dauer verkürzt.

Warum die Versorgung in der sonnenarmen Jahreszeit zum Thema wird

Die körpereigene Bildung über die Haut ist für die Vitamin-D-Versorgung besonders wichtig. Wie viel Vitamin D dabei entsteht, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab. Dazu gehören Jahres- und Tageszeit, geografische Lage, Alter, Hauttyp, Aufenthaltsdauer im Freien, bedeckende Kleidung, Sonnenschutz und die Größe der unbedeckten Hautfläche.

In Deutschland ist die Intensität der UVB-Strahlung insbesondere in den Herbst- und Wintermonaten häufig zu gering, um eine relevante körpereigene Vitamin-D-Bildung zu ermöglichen. Der Organismus kann in dieser Zeit auf zuvor aufgebaute Speicher zurückgreifen. Wie gut diese Speicher gefüllt sind, unterscheidet sich jedoch von Mensch zu Mensch.

Auch über die Ernährung wird Vitamin D nur in begrenztem Umfang aufgenommen. Nennenswerte Mengen sind vor allem in fettreichen Seefischen wie Hering, Lachs und Makrele enthalten. In geringeren Mengen findet sich Vitamin D beispielsweise in Eigelb, Leber und einigen Speisepilzen.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Jugendliche und Erwachsene einen Schätzwert von 20 µg Vitamin D pro Tag, wenn keine körpereigene Bildung stattfindet. Dies entspricht 800 Internationalen Einheiten. Dieser Wert gilt ausdrücklich unter der Annahme einer fehlenden endogenen Synthese und ist daher nicht automatisch als pauschale Supplementierungsempfehlung für jeden Menschen zu verstehen.

Bei ausreichender Sonnenlichtexposition kann die gewünschte Vitamin-D-Versorgung auch ohne ein Präparat erreicht werden.

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Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.

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Kann Vitamin D Atemwegsinfektionen vorbeugen?

Ob Vitamin D vor Erkältungen und anderen akuten Atemwegsinfektionen schützen kann, wird seit Jahren untersucht. Beobachtungsstudien zeigen häufig einen Zusammenhang zwischen niedrigen Vitamin-D-Spiegeln und einer höheren Infektanfälligkeit. Das beweist jedoch keine ursächliche Wirkung: Erkrankungen oder wenig Aufenthalt im Freien können beides begünstigen.

Eine 2017 im British Medical Journal veröffentlichte Metaanalyse zeigte eine moderate Verringerung des Infektionsrisikos, insbesondere bei regelmäßiger Einnahme und sehr niedrigen Vitamin-D-Ausgangswerten. Bei hoch dosierten Bolusgaben wurde dieser Effekt nicht beobachtet.

Eine größere Metaanalyse von 2025 in The Lancet Diabetes & Endocrinology mit 40 placebokontrollierten Studien und 61.589 Teilnehmenden fand dagegen keine statistisch signifikante Verringerung des Risikos. Auch die Untergruppen zeigten keinen eindeutigen Einfluss von Alter, Ausgangswert, Dosierung oder Einnahmerhythmus.

Eine ausreichende Vitamin-D-Versorgung ist für die normale Funktion des Immunsystems wichtig. Dass eine allgemeine Supplementierung Atemwegsinfektionen verhindert, ist jedoch nicht eindeutig belegt.

Versorgung sichern statt zusätzlich „aufrüsten“

Ein Nährstoff kann für normale Körperfunktionen unverzichtbar sein, ohne dass eine zusätzliche Zufuhr über den Bedarf hinaus einen weiteren Nutzen bringt.

Eine Versorgungslücke zu schließen ist deshalb nicht dasselbe, wie einen bereits gut versorgten Organismus zusätzlich „aufzurüsten“. Entscheidend ist eine bedarfsgerechte Versorgung – nicht eine möglichst hohe Dosierung.

Vitamin D und Magnesium: ein Zusammenspiel

Magnesium ist an zahlreichen enzymatischen Reaktionen beteiligt und spielt auch im Vitamin-D-Stoffwechsel eine Rolle. Eine randomisierte Studie von Dai und Mitarbeitenden zeigte, dass eine Magnesiumsupplementierung diesen abhängig vom Vitamin-D-Ausgangswert beeinflussen kann. Sie führte jedoch nicht zu einer pauschalen Erhöhung aller Vitamin-D-Stoffwechselprodukte.

Daraus folgt weder, dass jedes Vitamin-D-Präparat mit Magnesium kombiniert werden muss, noch dass Vitamin D ausschließlich zusammen mit Magnesium wirkt. Eine ausreichende Magnesiumversorgung ist jedoch für zahlreiche Stoffwechselprozesse wichtig.

Magnesium trägt unter anderem zu einem normalen Energiestoffwechsel, einer normalen Muskelfunktion und zur Erhaltung normaler Knochen bei.* Ein zugelassener Health Claim zur „Aktivierung von Vitamin D“ besteht hingegen nicht.

Welche weiteren Faktoren eine Rolle spielen

Nahrungsfette unterstützen die Aufnahme des fettlöslichen Vitamins D. Eine Mahlzeit mit etwas Fett kann dafür günstige Bedingungen schaffen. In flüssigen Präparaten dient häufig ein Öl, beispielsweise MCT-Öl, als Trägersubstanz. Fett ist jedoch kein Cofaktor der Vitamin-D-Aktivierung.

Calcium: Vitamin D trägt zu einer normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium und Phosphor sowie zu einem normalen Calciumspiegel im Blut bei.* Calcium aktiviert Vitamin D jedoch nicht und muss nicht automatisch zusätzlich eingenommen werden.

Vitamin K trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei.* Vitamin K2 ist aber weder für die Aufnahme noch für die Aktivierung von Vitamin D zwingend erforderlich. Eine allgemeine Empfehlung, jedes Vitamin-D-Präparat mit K2 zu kombinieren, besteht für gesunde Erwachsene nicht. Wer Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon oder Warfarin einnimmt, sollte Vitamin-K-Präparate ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache verwenden.

Zink, Selen und Vitamin C tragen ebenfalls zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei.* Sie sind jedoch keine notwendigen Cofaktoren für die Aufnahme oder Aktivierung von Vitamin D.

Leber und Nieren übernehmen wesentliche Schritte der Vitamin-D-Umwandlung. Schwere Erkrankungen dieser Organe können den Stoffwechsel beeinträchtigen und erfordern eine individuelle ärztliche Beurteilung.

Versorgung erkennen statt pauschal dosieren

Zur Beurteilung der Vitamin-D-Versorgung dient der Blutwert 25(OH)D. Die DGE bezeichnet mindestens 50 nmol/l beziehungsweise 20 ng/ml im Hinblick auf die Knochengesundheit als wünschenswert. Der Wert sollte gemeinsam mit Gesundheitszustand, Ernährung, Sonnenexposition, Medikamenten und individuellen Risikofaktoren betrachtet werden.

Ein erhöhtes Risiko für eine unzureichende Versorgung besteht beispielsweise bei wenig Aufenthalt im Freien, weitgehend bedeckter Haut, dunklerem Hauttyp, höherem Lebensalter, eingeschränkter Mobilität oder bestimmten Verdauungserkrankungen. Auch Medikamente können den Vitamin-D-Stoffwechsel beeinflussen. Ob eine Blutuntersuchung oder Supplementierung sinnvoll ist, hängt deshalb von der individuellen Situation ab.

Bedarfsgerecht statt hoch dosiert

Vitamin D kann im Körper gespeichert werden. Eine langfristige, unkontrollierte Einnahme hoher Dosierungen kann den Calciumspiegel im Blut erhöhen und unter anderem Übelkeit, Muskelschwäche, Herzrhythmusstörungen sowie Nierenschäden verursachen.

Der von der EFSA festgelegte obere tolerierbare Zufuhrwert für Erwachsene beträgt 100 µg beziehungsweise 4.000 Internationale Einheiten pro Tag. Er gilt für die langfristige Gesamtzufuhr aus allen Quellen und ist keine empfohlene Tagesdosis.

Dabei sollte die empfohlene tägliche Verzehrmenge beachtet und Vitamin D aus verschiedenen Präparaten zusammengerechnet werden. Hoch dosierte Produkte sollten nicht dauerhaft ohne fachliche Begleitung eingenommen werden. Bei Nierenerkrankungen oder Störungen des Calciumstoffwechsels ist ärztliche Rücksprache besonders wichtig.

Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei. *

Eine ausreichende Versorgung gehört zu einer verantwortungsvollen Gesundheitsvorsorge. Daraus lässt sich jedoch kein Versprechen ableiten, dass Vitamin-D-Präparate Erkältungen oder andere Atemwegsinfektionen verhindern.

Entscheidend sind der individuelle Bedarf und das Zusammenspiel der Nährstoffe, nicht möglichst viele kombinierte Präparate oder eine möglichst hohe Dosierung.

Quellen:

Europäische Kommission: EU Register of Nutrition and Health Claims. Zugelassene gesundheitsbezogene Angaben zu Vitamin D und weiteren Mikronährstoffen. EU Health Claims Register

Europäische Kommission: Verordnung (EU) Nr. 432/2012 zur Festlegung einer Liste zulässiger gesundheitsbezogener Angaben über Lebensmittel. EUR-Lex

Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr – Vitamin D. Schätzwert bei fehlender endogener Synthese: 20 µg pro Tag für Jugendliche und Erwachsene. DGE-Referenzwerte

Bundesinstitut für Risikobewertung: Aktualisierung der Höchstmengenvorschläge für Vitamin D in Lebensmitteln einschließlich Nahrungsergänzungsmitteln. Stellungnahme Nr. 042/2023. BfR-Stellungnahme

EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies: Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of vitamin D. EFSA Journal. 2012;10(7):2813. doi: 10.2903/j.efsa.2012.2813.

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Magnesiumstatus und -supplementierung beeinflussen Vitamin-D-Status und Stoffwechsel: Ergebnisse einer randomisierten Studie

Uwitonze AM, Razzaque MS. Role of magnesium in vitamin D activation and function. J Am Osteopath Assoc. 2018;118(3):181–189. doi: 10.7556/jaoa.2018.037.

 Kombinierte Vitamin-D- und Magnesium-Supplementierung beeinflusst keine Marker für Knochenumsatz oder glykämische Kontrolle: Eine randomisierte kontrollierte klinische Studie

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